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Gehrden / Dorf & Kultur |
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außergewöhnliche Geschichte Gehrden - ein Dorf in Ostwestfalen mit außergewöhnlicher Geschichte Östlich von Paderborn, hinter dem in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Eggegebirge, liegt Gehrden. Das Dorf gehört zur Stadt Brakel (Kreis Höxter), hat 1.100 Einwohner und ist stark ländlich geprägt: Hier wirtschaften noch 30 Bauernhöfe, je 15 im Voll- und im Nebenerwerb. Die Land- und Forst-wirtschaft nimmt 95 % der Gemarkungsfläche ein und bietet 60 von 237 Arbeitsplätzen (25 %). Gehrden liegt 170 Meter über dem Meeresspiegel, die höchste Erhebung ist das "Mittelholz" mit 245 Metern über NN. Der 1.130 Jahre alte Ort Gehrden wird überragt von der romanischen Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert und der ehemaligen Klosteranlage. Die Kirche mit ihrer barocken Ausstattung und vielen wertvollen Kunstschätzen verfügt über das größte und älteste Geläut Westfalens und eine Orgel aus dem 17. Jahrhundert. Im Jahre 868 wurden die Siedlungen Nord- und Südgehrden in der Gründungsurkunde des Stiftes Heerse und in den Corveyer Traditionen erstmals erwähnt. Die Benediktinerinnen von der Iburg bei Bad Driburg siedelten von 1136 bis 1142 nach Gehrden über, wo der "Edle Heinrich von Gehrden" ein Kloster gründete. Der Bau der romanischen, dreischiffigen Pfeilerbasilika erfolgte zwischen 1142 und 1250. Um 1200 siedelten sich die Bewohner von Nord- und Südgehrden im Schutz der Klostermauern an. Wegen ständiger Übergriffe von Raubrittern billigte der Bischof von Paderborn die Errichtung einer Stadtmauer und verlieh Gehrden 1319 die Stadtrechte. Im 14. Jahrhundert wurden große Teile des Grundbesitzes privatisiert, im 15. und 16. Jahrhundert wurde der Geist des Klosters auf Grund von Reformen wiederhergestellt. Im Dreißigjährigen Krieg wurden viele Siedlungen der Gehrdener Gemarkung zerstört. 1650 wurde eine Dorfschule errichtet, 1668 die Katherinenkapelle erbaut. 11 Jahre später zerstörte ein Großbrand fast alle Häuser. Es folgte 1684 der Neubau des Rathauses und 1708 der Bau der Klostermühle. Der Bruder Napoleons, König Jerome von Westfalen, richtete 1810 im Gehrdener Kloster seine Sommerresidenz ein und feierte dort fröhliche Feste. Seither spricht man vom Schloß Gehrden. Gehrdener Uhrwerk als Friedensuhr für die Welt
Die Zeit-Geschichte der Berliner Friedensuhr Drei Meter misst sie, über zwei Tonnen wiegt sie, ein altes Benediktiner-Uhrwerk bewegt sie, ihre aufbrechenden Marmorsäulen rahmen sie gleich einem einladenden antiken Portal, ihr sanftschweres Ticken klingt wie Musik, und ihr Architrav trägt die Inschrift . „Zeit sprengt alle Mauern". Das ist die originale Berliner Friedensuhr, wie sie 1989 von Juwelier LorenZ entworfen, gebaut und öffentlich en . vorgestellt wurde, und wie sie noch heute bei LorenZ erlebt werden kann. Ursprünglich gedacht als Uhren-Kunst-Objekt, als im Wortsinne „uhrige” Überraschung zum Fest des 115. Geburtstages eines der ersten , Berliner Uhren- und Schmuck-Häuser. Über 250 Ehrengäste kommen zu diesem lange geplanten LorenZ-Fest nach Frieden' au - Champagner zur Begrüßung, elegante Klavierstücke zum Entree, gegen 19 Uhr ergreift Juwelier LorenZ das Wort, gleich wird das gewichtige Uhren-Kunst-Objekt enthüllt. Wir sind in „West"-Berlin, mitten in einem Stadtteil, der am 9. November 1874 als Au des Friedens gegründet wurde - im selben Jahr, wie Juwelier LorenZ. Wir sind in Frieden'au, das im Wappen einen Friedensengel zeigt. Es ist der Abend des 9. November 1989. Niemand konnte wissen, was zeitgleich am selben Abend nur wenig entfernt, jenseits der Mauer in "Ost"-Berlin geschehen würde: Die drohende Krise des Ost-Blocks - seit 1953 und 1961 war die Lage nicht so ernst gewesen - die Zahlungsunfähigkeit der DDR, Massen-Proteste, die Massen-Flucht, der politische Druck zumal aus Moskau, Prag oder Budapest, all das zwang der SED in „Ost"-Berlin erste Zugeständnisse in Sachen Menschlichkeit ab: Gegen 19 Uhr - es war genau 18.57 Uhr - beantwortete das Politbüromitglied Schabowski auf einer eilig anberaumten Pressekonferenz die Frage, ab wann neue Ausreise-Regeln gelten, mit einem trockenen: „Nach meiner Kenntnis sofort, unverzüglich"! Dass damit der Anstoß zum vielleicht friedlichsten Auf-Bruch der Weltgeschichte gegeben war, ahnt niemand. Und doch kommt es so: Schon um 19.20 Uhr weiß man bei Springer „die Grenze ist auf"! Noch am Abend des 9. November '89 fällt die Berliner Mauer in sich zusammen und wird der Weg frei für eine neue Zeit - ohne Gewalt ist der Kalte Krieg zu Ende und die Teilung der Welt überwunden. Das Tor zur Zukunft ist offen, und jeder spürt es. Bald tanzen Menschen von Ost nach West und von West nach Ost. Gegen 23 Uhr heißt auch am Grenzübergang Bornholmer Straße der letzte Befehl: „Alte Kontrollen einstellen. Wir fluten jetzt.” - Das war die schönste Revolution, die es in Deutschland je gab. Eine Sternstunde der Freiheit, aber auch der Gewaltfreiheit; eine Glücksstunde für die Welt, für Europa, fair Deutschland: Hoch-Zeit des Friedens. Später titelte die BZ zum 9. November '89: „Als das Monster besiegt wurde” und man weiß nicht recht, ob man mit Monster nicht auch jenes Deutschland meinte, das einst in zwei drohenden Weltkrisen auf Krieg und immer nur auf Krieg gesetzt hatte und zu dessen letzten Zuckungen auch diese blutige Mauer gehörte. Nein, die Berliner Mauer war nicht irgendeine Mauer; Sie war Zeichen jener Welt- Krankheit, die man Kalten Krieg nannte; und bis zum 9. November '89 galt als sicher: Diese Mauer würde nur fallen um den Preis des III. Weltkrieges. Was, wenn ein verworfener Rest jenes kriegsverbrecherischen Deutschlands Schießbefehle gebellt hätte? Aber das Monster wurde besiegt: Am 9. November '89 war ein neues Deutschland erstmals darin vereint, in einer drohenden Weltkrise nicht auf Krieg und Gewalt zu setzen, sondern den Auf-Bruch in Frieden und Freiheit zu wagen: Hier und heute - mitten in Berlin - begann eine neue Zeit, und sie begann so selbstverständlich, wie man das Pendel einer Uhr anstößt. Doch zurück nach „West"-Berlin, zurück zum 115. Geburtstag von Juwelier LorenZ, zurück zur Au des Friedens, wo man vom kommenden epochalen Auf-Bruch ebenfalls nichts ahnte - oder doch? Kurz vor 19 Uhr - zeitgleich mit Schabowskis „Ost"-Berliner Presse-Erklärung - enthüllt Juwelier LorenZ die Abend-Überraschung: „Liebe Gäste - wir haben viel entworfen und wieder verworfen, bis endlich dieses Uhren-Kunst-Objekt heute vor Ihnen stehen konnte. Seine hoffnungsvolle Botschaft heißt: Zeit sprengt alle Mauem. Dann wird das Pendel angestoßen - es ist 18.57 Uhr: Die gewichtige Uhr läuft an. Der Raum füllt sich mit ihrem sanftschweren Ton. Es folgen Worte zum Uhrwerk, zur Inschrift, zur Form: Gleicht das Uhren-Kunst-Objekt nicht einem Tor, das zum Eintritt in eine neue Zeit einlädt? Da geschieht das Unfassbare: Uhr-plötzlich verbreitet sich unter den Gästen die Nachricht, dass die Berliner Mauer soeben gefallen sei. Ein TV-Gerät wird herbeigeholt - tatsächlich: Dort künden erste Bilder vom Ende der Mauer! Und hier verkündet die eben angestoßene Uhr die frohe Botschaft: „Zeit sprengt alle Mauern”! Mit Tränen in den Augen bestaunen die Gäste das Uhr-Getüm, hören sein Benediktiner-Uhrwerk gelassen ticken, sehen die aufbrechenden Säulen, lesen die Inschrift „Zeit sprengt alle Mauern” -- und bestaunen die in unfassbarer Zeit-Gleiche hereinkommenden Nachrichten vom friedlichen Fall der Mauer. Endlich ruft einer der Gäste: „Das ist ja eine Friedensuhr, eine echte Berliner Friedensuhr!” So wurde die Geburtsstunde der Berliner Friedensuhr zur Todesstunde der Berliner Mauer - was könnte besser die Kompetenz der Friedensuhr bezeugen zur Vermittlung der Botschaft: "Zeit sprengt alle Mauern"? Und wie die Zeit selbst, so ist auch diese erste Zeit-Zeugin des Mauerfalles nicht am 9. November '89 stehen geblieben: Bald begann Juwelier LorenZ, etwa 30cm große, kostbare Nachbildungen herzustellen. Im Jahre 1992 fanden die ersten drei Friedensuhren zu Gorbatschow, Reagan und Kohl - 1999 wurde eine weitere Friedensuhr an den ehemaligen US-Präsidenten George Bush übergeben: Weil es auch das Ost-West-Zusammenspiel war, das den Fall der Berliner Mauer nicht zum weltpolitischen casus belli, sondern zum exemplarischen casus pacis werden ließ. Ist die das friedliche Ende des Kalten Krieges begleitende Politik der damaligen Großen Mächte das multilaterale Gegenstück zur heutigen Politik der US-Administration unter George W. Bush? 1996 wurde Papst Johannes Paul eine Friedensuhr überreicht Zum Zeichen, dass Frieden keine Sache bloß der Politik, sondern auch der Religionen ist, ja, dass ohne Achtung anderen Glaubens und anders Gläubiger immer Unfrieden sein wird. Und mit der 1993 in Indien erfolgten Übergabe der Friedensuhr Nr. 1 an Mutter Teresa ist nicht nur der Nord-Süd-Konflikt angesprochen: Mutter Teresas Missionsries of Charity arbeiten auch in Deutschland. Nächsten-Liebe - das ist jene ganz alltägliche Friedens-Arbeit, die beim Nächsten beginnt - kennt keine trennenden Mauern. In rein privater Initiative sind so bis zum Jahr 2000 sieben Friedensuhren als Zeit-Zeichen der Hoffnung von Berlin-Frieden' au hinaus in die Welt gegangen: Nach Russland, nach Rom, nach Amerika, nach Bonn, nach Indien; hin zu Vertretern der Welt-Politik, der Welt-Religionen, und man mag sagen: Der Welt-Ethik. Jede Friedensuhr eine Zeit-Zeugin des 9. November '89, eine Berliner Botschafterin einer besseren Welt, eine Hoffnungs-Trägerin einer kommenden Zeit: Einer Zeit, in der es Mauern aus Niedertracht und Mauern aus Neid, Mauern im Kopf und Mauern im Herzen, Mauern der Unmenschlichkeit und Mauern des Hasses nicht mehr geben wird. Das meint die Inschrift der Berliner Friedensuhr: „Zeit sprengt alle Mauern”. Die Zeit-Geschichte der Berliner Friedensuhr wird 2002 offiziell: In diesem Jahr begründet das Berliner UNESCO-Komitee zusammen mit Juwelier LorenZ und mit Unterstützung des Senators für Wissenschaft und Kultur den „Berliner Friedensuhr-Preis”. Die Vergabe dieses Preises wird von namhaften Sponsoren unterstützt und fortan jeweils zum 9. November in Berlin stattfinden. Über künftige Preisträger entscheidet nun ein Kuratorium bedeutender Persönlichkeiten. Empfänger des „Berliner Friedensuhr-Preises” sollen Personen oder Institutionen aus aller Welt sein, die Zeichen der Hoffnung setzen im Überwinden von Mauern zwischen Klassen, Rassen, Völkern, Nationen, Kulturen, Religionen, Ideologien, Parteien und Menschen. Am 9. November 2003 verlieh das Berliner UNESCO-Komitee erstmals den "Berliner Friedensuhr-Preis” - die Senatskanzlei ließ dazu offiziell verlautbaren: "(Heute) überreichte der Regierende Bürgemteister von Berlin, Klaus Wowereit, dem früheren israelischen Botschafter in Deutschland, Avi Primor, in der Friedrichswerderschen Kirche den Berliner Friedensuhr-Preis. Primor wurde geehrt für sein Engagement zur Überwindung der Gegensätze zwischen Israel und Palästina und für seine Bemühungen um den Frieden im Nahen Osten und Palästina und für seine Bemühungen um den Frieden im Nahen Osten. (...)" In seiner Laudatio sagte der Regierende Bürgermeister u.a.: "Der 9. November ist wohl der schwierigste Tag im Kalender der Deutschen. (...) Es ist ein Tag der höchsten Freude und der höchsten Trauer, zugleich ein Tag der tiefsten Scham. (...) Dass auch die Friedensuhr zum Inventar dieses Tages gehört, ist ein weiteres der vielen Paradoxien rund um den 9. November. Sie wurde an jenem Abend zum ersten Mal enthüllt, an dem die Mauer fiel. Aus diesem Grund wird die Friedensuhr an ihrem Geburtstag an eine hochrangige Persönlichkeit verliehen. Heute wird Avi Primor diese hohe Ehre zuteil. Eine gute Wahl wie ich finde, und Ort wie Zeit könnten in diesem Fall nicht besser passen. Denn Avi Primor hat sich außergewöhnliche Verdienste um Berlin und um den Frieden erworben, auch und gerade für die Aussöhnung von Deutschland und Israel Maßstäbe gesetzt." In seinem Statement zum 9. November 2003 hatte Avi Primor erklärt: "Die Berliner Friedensuhr wird auch meinen Freundeskreis in Israel anspornen, unsere Bevölkerung davon zu überzeugen, die Zeit in Anspruch zu nehmen, um die Mauern des Misstrauens zu sprengen.” Mit der Initiierung und Institutionalisierung des "Berliner Friedensuhr-Preises” übernimmt das Berliner UNESCO-Komitee die transnationale Verpflichtung. die der 9. November '89 in Wahrheit bedeutet: Denn der Fall der Berliner Mauer, der Auf Bruch von 1989 war keine deutsch-deutsche Abend-Show im Vor-Programm, nein: Dieser Auf-Bruch ist epochal, und er ist so randvoll mit den Freudenfunken der Hoffnung, dass er geradezu einlädt, diese Hoffnung mit allen Menschen zu teilen. Die Gunst der Stunde wollte, dass uns als authentischem Träger dieser Hoffnung die Berliner Friedensuhr zufiel – zeit gleich mit dem Fall der Mauer entstand das Uhr-Symbol einer Welt ohne Mauern. Lasst uns dies Uhr-Symbol, dies Zeit-Zeichen der Hoffnung zu jenen bringen, die – im Kleinen wie im Großen – exemplarisch Mauern überwinden und Wege öffnen hin zu einer Welt des friedlichen Miteinanders. Und lasst uns dabei „den Müden, den Armen, den geduckten Massen, die sich nach Freiheit sehnen” sagen: Wenn selbst die Berliner Mauer – dieses betongefrorene Schreckbild des weltumspannenden Kalten Krieges – friedlich fallen konnte, dann können und dann werden auch andere Mauern friedlich in sich zusammensinken – mit der Zeit. Dann können und dann werden auch anderswo in der Welt Wege frei in eine bessere, in eine menschlichere Zukunft – mit der Zeit. Wenn das 21. Jahrhundert ein Jahrhundert des Friedens, der Freiheit und auch der Gewaltfreiheit wird, dann wurde es am Donnerstag, dem 9. November '89 um 18.57 Uhr geboren – als die Mauer starb und die Zeit der Berliner Friedensuhr begann. Seitenanfang |
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